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Munichtime 2016: Eine Ausstellung im Wandel
Munichtime 2016: Eine Ausstellung im Wandel

Munichtime 2016: Eine Ausstellung im Wandel

Ein Kommentar von Dipl.-Ing. (FH) Patrick Weigert

Die Munichtime 2016 fand dieses Jahr zum neunten Mal in München und zum achten Mal im wunderschönen Ballsaal des Hotels Bayerischer Hof statt.

Die Munichtime war und ist für den interessierten Uhrenliebhaber nach wie vor eine gute Gelegenheit, sich einen Überblick über das aktuelle Marktgeschehen und die neuesten Modelle zu verschaffen. Nirgendwo sonst bekommt der Endverbraucher die einmalige Gelegenheit, eine Vielzahl hochwertiger Uhren nahezu aller Preisklassen aus nächster Nähe bestaunen und völlig unverbindlich anfassen zu können. Er kann seine Traumuhr ans Handgelenk legen, unmittelbar mit Wettbewerbsprodukten vergleichen und dabei als Ansprechpartner einen Repräsentanten des jeweiligen Herstellers befragen.

 

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Jedoch fiel rasch auf, dass die Munichtime 2016 sich deutlich anders präsentierte als die Veranstaltungen in den Jahren zuvor und zwar nicht gerade zu ihrem Vorteil. Schon beim Betreten des Ballsaals bemerkte der sachkundige Besucher sofort, dass zur rechten Seite zwar, wie aus den Vorjahren bekannt, Jaeger LeCoultre seinen gewohnten Platz einnahm, gegenüberliegend jedoch nicht Vacheron Constantin, mit seinem schon fast legendären Uhrmachertisch, sondern diesmal Panerai anzutreffen war. In all den Jahren zuvor war Panerai mit umfangreichem Programm auf der großzügigen und repräsentativen 7. Etage des Hotels zu finden. Aber wo ist Vacheron Constantin abgeblieben? Dieses Jahr Fehlanzeige, nicht mehr mit dabei, so wie auch LVMH, mit den wichtigen Marken Hublot, TAG Heuer und Zenith nicht mehr dabei war.

Audemars Piguet einer der wenigen aktuell erfolgreichen Anbieter von Schweizer Luxusuhren hat seine Teilnahme an der Ausstellung bereits 2014 aufgekündigt. Die Swatch Group hat sich schon 2010 komplett verabschiedet, also sind auch keine bekannten und gefragten Marken wie Blancpain, Longines oder gar Omega anzutreffen, die wichtige Publikumsmagnete wären.  Aber auch Tudor: In 2015 noch als Aussteller dabei, in diesem Jahr ebenfalls Fehlanzeige.

Auch kleinere und durchaus nicht weniger exklusive Schweizer Marken, wie Pamigiani Fleurier, oder Alpina bzw. Frédérique Constant konnte man/frau dieses Jahr auf der Munichtime nicht mehr bewundern.

Was ist los und wie erklärt sich das, werden wir immer wieder gefragt? Nun, die Antworten darauf sind vielfältig.

Die Munichtime verändert ihr Gesicht zusehends. Weg von einer Ausstellung mit dem Ziel, dem Kunden eine möglichst repräsentative Markt- und Markenübersicht zu vermitteln, hin zu einer Plattform auf der nun überwiegend deutsche Hersteller ihre vielfältigen und hochwertigen Exponate dem Publikum vorstellen. Dabei sind durchaus ein paar neue Aussteller hinzugekommen, die insbesondere das Spektrum der deutschen Anbieter erweitern, jedoch keineswegs die verlustig gegangenen Schweizer Premium-Marken ersetzen.

Die Veränderungen in der Uhrenbranche sind in aller Munde und die Geschäfte sind bei so manchem Anbieter ins Stottern geraten. Da werden dann von den Finanzcontrollern sehr rasch die verfügbaren Budgets gekürzt oder gar völlig zusammengestrichen. Aber – so war auch zu hören – hat sich bei so manchem Aussteller eine gewisse „Messemüdigkeit“ eingestellt, so dass der Sinn und Zweck solcher Veranstaltungen mehr und mehr kritisch hinterfragt werden.

Last but not Least lässt auch das Interesse beim Kunden nach. Der Kunde spürt die Turbulenzen am Markt. Neue Marken kommen, andere verschwinden wieder. Wieder andere versuchen sich neu zu erfinden. In dieser Gemengelage bietet sich dem kundigen Schnäppchenjäger so manch gute Gelegenheit, Nachhaltigkeit sieht jedoch anders aus. Und so warten viele auf bessere und hoffentlich wieder einmal ruhigere Zeiten.

Ein Spiegelbild dessen stellt auch die Zahl der Besucher dar, die mit nur noch 10.500 in diesem Jahr deutlich niedriger ausfiel als noch im Vorjahr. Auch die Uhrenwahl leidet unter dem allgemeinen Rückgang. Das Angebot der auszuwählenden Uhren hat sich reduziert und auch die Zahl der Teilnehmer und somit abgegebenen Stimmen folgt dem Abwärtstrend.

Und wie verhalten sich die Hersteller und Aussteller in dieser sich verändernden Welt der feinen Uhren? Mit klaren Worten gesprochen: Sehr unterschiedlich und nicht immer vorteilhaft. Einige Anbieter haben erkannt und verstanden, dass der Kunde wieder mehr umworben und beworben werden möchte und sind damit erfolgreich. Andere hingegen haben es (noch?) nicht verstanden und glauben wohl nach wie vor fest daran, mit einem Cocktail aus lässigem Auftritt, hoch erhobener Nase, einem Schuss Ignoranz und das Ganze verfeinert mit einem gewissen Maß an Arroganz, punkten zu können. Diese Zeiten sind – sollte es sich noch nicht überall herumgesprochen haben – allerdings vorbei, und wohl für längere Zeit. Das gilt im Übrigen auch für die Preispolitik, bei der einige Hersteller völlig übersteuert haben. Dem Kunden kann´s nur recht sein, er ist in diesem Spiel wieder der König.

Auffallend war und ist aber auch, dass Hersteller, ob ihrer „Messemüdigkeit“, vermehrt dazu übergehen, eigene Veranstaltungen auszurichten, um dann „ihr“ Publikum gezielt einzuladen. Ob das den gewünschten Effekt bringt? Auch hierbei sind zumindest Zweifel angebracht.

So blicken wir gespannt nach vorne, wie sich die Munichtime künftig positioniert und sehen zu, ob es gelingt, dass die Munichtime 2017 zu ihrem dann 10-jährigen Jubiläum wieder etwas von ihrem ursprünglichen Glanz zurückgewinnt. Keine einfache Aufgabe, soviel steht fest.

 

Der Autor:

Herr Dipl.-Ing. (FH) Patrick Weigert ist als Geschäftsführer einer Unternehmensberatungsgesellschaft u.a. für die Automobil- und Luxusgüterindustrie tätig und beobachtet und analysiert als Mitbegründer und Gesellschafter beim Deutschen Uhrenportal die Entwicklungen und Trends auf dem Sektor für hochwertige Uhren und neue Technologien.

Ein Kommentar

  1. Pingback: Munichtime 2016 - ein Rundgang - Deutsche Uhrmacher

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